von Alexandra von Plüskow
Lea ist ein gewitztes Mädchen. Sie lernt gerne und bereitet mit großer Freude eigenständig kleine Referate zu ihr unbekannten Themen vor. Ihre Noten befinden sich größtenteils im guten und sehr guten Bereich. Sie und ihre Eltern sind sich einig, dass sie nach der vierten Klasse ein Gymnasium besuchen wird. Tobis schulische Leistungen sind zwar ebenfalls gut – er lernt aber nicht gerne und ist auch nicht bereit, sich eigenständig Wissen anzueignen. Seine Mutter ist sich nicht sicher, ob er das Gymnasium schaffen wird oder ob er nicht besser eine Realschule besuchen sollte.
Wie soll es weitergehen?
Leas und Tims Eltern stehen nicht alleine da. Spätestens zu Beginn des vierten Schuljahres beginnen Schulkinder und ihre Eltern damit, sich über den weiteren schulischen Bildungsweg Gedanken zu machen. Es wird mit Verwandten und Freunden diskutiert. Hin und her überlegt – und oftmals bleiben die Sorgen darüber, ob man für das eigene Kind die richtige Entscheidung treffen wird, bestehen.
Schullaufbahnempfehlungen
Deshalb geben die Grundschulen aller Bundesländer auf Anraten der Kultusministerkonferenz Jahr für Jahr so genannte „Schullaufbahnempfehlungen“ an ihre Schützlinge heraus, „um Fehlentscheidungen soweit wie möglich zu vermeiden.“ Je nach Bundesland sind diese Empfehlungen verpflichtend oder aber tatsächlich als Empfehlung zu verstehen. In Bayern etwa ist es der Notendurchschnitt, der über den Besuch eines Gymnasiums entscheidet. In Nordrhein-Westfalen ist die Empfehlung der Lehrkraft ausschlaggebend. Möchte ein Schulkind dennoch ein Gymnasium besuchen, hat aber keine entsprechende Empfehlung, so gibt es hier die Möglichkeit, einen so genannten Prognoseunterricht zu durchlaufen. Absolviert es diesen erfolgreich, so kann es danach am Unterricht eines Gymnasiums teilnehmen. In Niedersachsen ist es der Elternwille, der entscheidet. Halten Eltern die seitens der Schule vorgeschlagene Schulform als nicht für ihr Kind geeignet, so entscheiden sie selbst, ob ihr Sprössling nicht doch die nächsthöhere oder nächstniedrigere Schulform besuchen wird.
Das Beratungsgespräch mit der Lehrkraft
Kern all dieser Empfehlungen ist allerdings fast überall das Beratungsgespräch mit der Lehrkraft des Kindes. Auf dieses sollten Sie sich gut vorbereiten. Denn hier können einerseits Sie als Eltern Ihre Erwartungen und Hoffnungen bezüglich der Schullaufbahn Ihres Sprösslings formulieren – und andererseits stellt die Lehrkraft Ihnen in diesem Rahmen ihre Eindrücke vor und erklärt, aus welchen Gründen sie ihre Empfehlung ausspricht.
Fragen Sie sich selbst nach Ihren Hoffnungen und Wünschen für Ihr Kind – und nach Ihren eigenen Gründen dafür. Machen Sie sich die Stärken, aber auch die Schwächen Ihres Kindes bewusst und überlegen Sie, wie sich diese in verschiedenen Schulformen entwickeln könnten. Wie steht es um den aktuellen Leistungsstand Ihres Kindes und wie um seine Lernentwicklung? Wie beurteilen Sie und die Lehrkraft sein Arbeits- und Sozialverhalten? Welchen Bildungsweg wünschen Sie für Ihr Kind – eher einen studienbezogenen oder einen berufsbezogenen? Und: Welche Schulform wird Ihrem Kind am besten gerecht werden – kann es dort ohne Leistungsdruck lernen und auch leben?
Auch mit Ihrem Kind sollten Sie sich über seine Vorstellungen bezüglich der Schullaufbahn unterhalten. Welche Neigungen würde es gerne weiterhin ausbilden? Gibt es schon jetzt Dinge, die es sehr unter Druck setzen? Und – gibt es eventuell Freunde, mit denen es gemeinsam die weiterführende Schule besuchen möchte?
Notieren Sie sich Ihre Überlegungen und tragen Sie diese im Gespräch mit der Lehrkraft Ihres Kindes vor. Lassen Sie sich von ihr erklären, aus welchen Gründen sie ihre Empfehlung gibt. Können Sie mit dieser Empfehlung einhergehen? Falls nicht, sollten Sie die Lehrkraft unter Umständen um ein erneutes Gespräch bitten. In einigen Fällen ist es sinnvoll, wenn an dem Folgegespräch die Beratungslehrkraft der Schule oder auch ein Schulpsychologe teilnimmt.
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