von Ulrike Lindner
Was in jedem Fußballspiel die Halbzeitpause, sind im Verlauf des Schuljahres die Zwischenzeugnisse: Eine aktuelle Meldung vom Spiel- bzw. Lerngeschehen. Noten und schriftliche Beurteilungen der Lehrer sollen den Schülern eine Rückmeldung über ihren derzeitigen Leistungsstand vermitteln. Gleichzeitig kann das Zwischenzeugnis als Trendbarometer Handlungsbedarf für die nächsten Monate anzeigen und dafür sorgen, dass Schüler in ihren schwachen Fächern noch einmal richtig durchstarten.
Eine Zwischenbilanz
Viele Schüler und Eltern blicken den Zeugnissen dennoch mit Sorge entgegen. Wie sehr die Angst vor schlechten Noten Kinder und ihre Familien belastet, zeigen die Sorgentelefone der einschlägigen Beratungsstellen, die regelmäßig vor der Vergabe der Zeugnisse am Jahresanfang kaum noch still stehen. Dabei geben Lehrer und Bildungsexperten grundsätzlich Entwarnung: Das Zwischenzeugnis sei nur eine Zwischenbilanz, nicht mehr und nicht weniger. Es habe keinerlei rechtliche Bedeutung und sei jetzt auch nicht versetzungsrelevant.
Klar gesagt: Wegen schlechter Noten auf dem Halbjahreszeugnis bleibt noch niemand sitzen. Es besteht immer die Möglichkeit, Versäumtes aufzuholen und mit einem effektiven Sofort-Plan an besseren Zensuren zu arbeiten. Im Übrigen dürften die Zwischen-Zensuren kaum jemanden überraschen, schließlich kennen alle Beteiligten den Notenstand meist schon Wochen vor der Zeugnisvergabe recht genau.
Bei bis zu 10 Prozent ist die Versetzung gefährdet, nur die Hälfte wiederholt!
Die eigentliche Bedeutung des Zeugnisses ist die eines Signals: Es zeigt die Stärken und Schwächen und zeigt an, wo etwas getan werden muss. Was oft für Frust sorgt, ist die Tatsache, dass viele Lehrer das Zwischenzeugnis gern als „Schreckschuss“ verstehen. Über die Zeugnisnoten wird in der Noten- oder Klassenkonferenz entschieden. Steht eine Schülerin oder ein Schüler zwischen zwei Noten, hat die Konferenz einen Ermessensspielraum, ob die Note ab- oder aufgerundet wird. In der Regel heißt es, dass bei den Zwischenzeugnissen oft strenger gerundet wird als beim Endzeugnis. Die Idee dahinter: Der Schreck über die schlechte Zensur soll in verstärkte Anstrengung im zweiten Halbjahr resultieren.
So erklärt sich auch, dass obwohl Jahr für Jahr acht bis zehn Prozent der Gymnasiasten und Realschüler den gefürchteten Vermerk „Versetzung gefährdet“ in ihrem Zwischenzeugnis finden, nur knapp die Hälfte von ihnen am Ende des Schuljahres tatsächlich durchfällt.
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