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Wissen und Bildung

Über Schulmüdigkeit und Schulverweigerung



von Bettina Levecke

Schule? Nein, Danke! Schwänzen, Blau machen, sich drücken, mal krank feiern – wir alle kennen aus der eigenen Schulzeit Tage, an denen Schule einfach mal Schule bleiben sollte. Die Gründe waren meist harmlos und am nächsten Tag ging es wieder selbstverständlich in den Klassenraum. Doch wenn aus einer Ausnahme die Regel wird, liegen die Ursachen tiefer. In den letzten Jahren beklagen immer mehr Lehrkräfte die zunehmende Schulmüdigkeit und Schulverweigerung bei Schülern und Schülerinnen. Schule – nein Danke? Wir zeigen Ihnen, was dahinter steckt:

Mehr als Schwänzen

Dauerhaft Fehlen, Ausreden erfinden, Eltern und Lehrer anlügen: Schulverweigerung ist in der Regel die Folge eines längeren Entwicklungsprozesses. Am Anfang steht hier mehrheitlich die Schulmüdigkeit, von der heute laut Untersuchungen bereits 15% der Schüler/innen betroffen sind. Da werden einzelne Tage oder auch nur Unterrichtsstunden geschwänzt. Oder das Kind verhält sich passiv im Unterricht, zieht sich auch privat immer mehr zurück. Vielleicht weil der Schuldruck zu groß geworden ist oder einzelne Fächer dem Schüler besonders schwierig erscheinen, es vielleicht Angst und Sorge um den nächsten Schultag hat. Schulmüdigkeit zeigt sich in vielen Facetten und wird leider noch häufig verharmlost. Dabei können bereits die ersten Anzeichen zur Basis einer immer tiefer werdenden Spirale werden. Erst ist es nur Lustlosigkeit, dann wird es Verdrossenheit und schließlich sogar Verweigerung. Eltern sollten deshalb frühzeitig darauf achten, warum Ihr Kind plötzlich weniger Lust auf Schule hat. Was ist da passiert? Wann verweigert sich das Kind? Gibt es ein erkennbares Schema, z.B. anstehende Klausuren, bestimmte Fächer oder Lehrer? Kommen weitere Formen des Desinteresses dazu?

Diese Anhaltspunkte helfen:
  • Verhält sich das Kind im Unterricht (z.B. in bestimmten Fächern oder Lehrkräften) sehr zurückhaltend (z.B. keine oder nur geringe Teilnahme)?
  • Fällt es durch Aufmerksamkeitsverweigerung auf (z.B. malen, träumen, schlafen)?
  • Kommt es häufig zu spät in den Unterricht?
  • Klagt es vor oder nach der Schule über Kopf- oder Bauchschmerzen?
  • Werden Hausaufgaben nicht erledigt? Fehlen Arbeitsmaterialien im Unterricht?
  • Fällt das Kind durch häufiges Stören im Unterricht auf? Verweigert es die Mitarbeit?
  • Hat es keine Freunde in der Klassengemeinschaft oder Angst vor den Lehrkräften?
Auffälligkeiten dieser Art sollten unbedingt zwischen Eltern und Lehrkräften thematisiert werden. In einem gemeinsamen Gespräch können die Beobachtungen in der Schule und zu Hause zusammengeführt werden. Denn: Je frühzeitiger die Ursachen für die Schulmüdigkeit geklärt und gelöst werden, desto höher die Erfolgsaussicht.

Schulverweigerung

Die Verweigerung ist die Folgestufe von Schulmüdigkeit. Die Anzahl der Schulverweigernden Kindern liegt in Sonder- und Hauptschulen bereits bei 10-20%. Aus anfänglicher Schulmüdigkeit ist nun eine klare Ablehnung geworden. Die Kinder senden durch ihr Verhalten oder auch innerhalb von Gesprächen klare Signale: Die Schule macht keinen Spaß mehr, sie haben sich innerlich entfernt und auch ein Stück weit aufgegeben. So verweigern manche Kinder nun hartnäckig die Hausaufgaben, lernen nicht mehr für Klausuren. Andere gehen zwar morgens pünktlich aus dem Haus, kommen aber in der Schule nicht an und verbringen den Vormittag anderweitig. Oder sie geben bereits zu Hause die klare Ansage, nicht mehr zur Schule gehen zu wollen. Schulverweigerung hat viele Gesichter. Gemeinsam ist allen: Die Belastung für das Kind und die Familie ist groß. Streit und Konflikte sind vorprogrammiert.

Experten klassifizieren drei Formen der Schulverweigerung:

Offene Schulverweigerung:
Das Kind stört ständig den Unterricht, spielt den Klassenkasper oder lenkt die Aufmerksamkeit auf sich. Es verweigert Aufgaben oder Fragestellungen, provoziert Lehrer und Klassenkameraden oder verhält sich aggressiv.

Vermeidende Schulverweigerung:
Das Kind bleibt regelmäßig dem Unterricht fern, entweder nur bei einem oder mehreren Unterrichtsfächern oder auch von der gesamten Schulzeit.

Schulabbruch:
Das Kind verweigert den Schulbesuch total und erklärt offen, dass der weitere Besuch der Schule keinen Sinn mehr ergibt.


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Bettina Levecke hat Soziologie, Politikwissenschaft und Germanistik studiert. Sie arbeitet als Freie Journalistin und ist Mit-Herausgeberin des Frauennetzwerkes "Weibernest" im Internet. Mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern lebt sie in der Nähe von Bremen. E-Mail
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