von Alexandra von Plüskow
Ben hatte sich so darauf gefreut, in der Schule endlich lesen und schreiben zu lernen. Doch nach drei Jahren in der Grundschule hat er keine Lust mehr auf die Schrift. Ständig schleichen sich Fehler ein, Diktate sind ihm ein Gräuel. Das frustriert ihn und seine Eltern. Leidet der Neunjährige unter Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten, unter LRS – oder aber unter Legasthenie? Was steckt hinter diesen Begriffen – und was können Eltern und die Schule tun, um einen nicht so optimal verlaufenden Schriftspracherwerb aufzufangen?
Was bedeuten Legasthenie, Lese-Rechtschreib-Schwächen, LRS?
Kinder (und natürlich auch Erwachsene), die Probleme damit haben, die gesprochene Sprache in die geschriebene umzusetzen, leiden oftmals unter einer
Legasthenie. Dieser Begriff wurde zunächst im medizinischen und psychologischen Fachjargon verwendet. In der Pädagogik spricht man aber auch von so genannten „Teilleistungsstörungen bei normal begabten Kindern“. Das heißt also, dass den Leistungen beim Lesen und/oder Schreiben eine normale oder auch überdurchschnittliche Intelligenz gegenübersteht.
Die Kultusministerkonferenz umschreibt die so genannten
„Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten“ mit „besonderen Schwierigkeiten im Lesen und in der Rechtschreibung.“
In aller Munde ist zurzeit die Abkürzung
„LRS“, die für den Begriff
„Lese-Rechtschreib-Schwäche“ steht. Dieser Ausdruck kennzeichnet im Allgemeinen alle Schwächen in den Bereichen des Lesens und/ oder des Schreibens. Man verwendet ihn also auch, wenn ein Kind etwa durch längere Krankheit – und eine dadurch verbundene längere Fehlzeit in der Schule – oder aber durch psychische Probleme hervorgerufene Probleme in der Schriftsprache hat.
Alle genannten Begriffe werden vielmals vertauscht oder aber vermischt. Es ist deshalb von immenser Wichtigkeit, dass Sie sich als Eltern fachlichen Rat einholen, wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind Probleme mit der Schriftsprache hat. Nur eine individuelle Einschätzung und die damit verbundene Förderung kann Ihrem Kind helfen.
Welche Dinge weisen darauf hin, dass ein Kind Probleme beim Schriftspracherwerb hat?
Generell ist festzuhalten, dass die Lese- und Schreiblehrgänge erst nach zwei Jahrgangsstufen abgeschlossen sind. Das Lesen und das Schreiben zu erlernen braucht eben auch seine Zeit.
Dennoch sollten Sie aufhorchen, wenn Ihr Kind keine Lust auf Tätigkeiten rund um das Lesen und Schreiben hat. Wehrt es sich geradezu dagegen? Hasst es Schreib- und Lesehausaufgaben und drückt es sich davor? Hat es Angst vor dem Lesen und Schreiben und zeigt gar körperliche Symptome wie Bauchweh, Übelkeit oder Kopfschmerzen, wenn es lesen oder schreiben soll? Die genannten Anzeichen allein deuten natürlich nicht auf eine Lese-Rechtschreibschwäche hin. Sie können aber für Sie erste Hinweise sein.
Weitere Anzeichen für eine Lese-Rechtschreibschwäche:
Sollten Sie unsicher sein, so beobachten Sie Ihr Kind genauer.
Beim
Sprechen ist Ihr Kind nicht in der Lage, längere Wörter nachzusprechen. Es tendiert dazu, die Endsilben zu „verschlucken“ und auch generell eher undeutlich zu sprechen. Gleichklingende Wörter verwechselt es öfter, wenn sie ihm schnell vorgesprochen werden. Generell ist es eher motorisch unruhig und lässt sich oft ablenken. Es fällt ihm schwer, sich zu konzentrieren.
Beim
Lesen vertauscht Ihr Kind öfter Wörter oder es lässt Wörter, Silben oder Buchstaben aus. Manchmal fügt es diese hinzu. Es liest eher langsam und bleibt öfter im Text stecken. Sie haben bisweilen das Gefühl, dass es eher rät, als zu lesen. Den Inhalt der Texte kann es nur schwer oder gar nicht wiedergeben.
Seine
Handschrift ist eher unleserlich und ungelenk. In der Zeichensetzung macht es oft Fehler. Beim
Schreiben lässt es Buchstaben aus oder vertauscht diese. Manche Buchstaben schreibt es spiegelbildlich (etwa: d-b). In Texten, die es abschreibt, finden Sie viele Fehler – und es schreibt auch in ein und demselben Text ein bestimmtes Wort immer wieder unterschiedlich.
weiter zu Seite 2