von Irmgard Flaig
Wenn Nachhilfe nötig ist, welche ist dann die richtige? Die mit den Eltern, mit einem Nachhilfelehrer oder in einem Lerninstitut? Neuer Schwung, Selbstvertrauen und eine bessere Lernmotivation sind die primären Ziele des Nachhilfeunterrichts.
Schüler, die Nachhilfe benötigen, sind einem bestimmten Druck ausgesetzt. Dem Druck der Noten, der Erfolge, dem Druck der Eltern, der Lehrer oder vielleicht auch dem eigenen Druck. Hinzu kommt vorausgegangene Frustration, eventuell auch mangelnde Lust und Motivation. Schließlich hat sich der Schüler bemüht, und trotzdem ist ein Vierer oder Fünfer herausgekommen. Die Aufgabe des Nachhilfelehrers ist deswegen, dem Kind neben dem richtigen Verständnis auch das nötige Selbstvertrauen zu vermitteln und ihm zu einer eigenen Lernstrategie zu verhelfen.
Auf den Lerntyp kommt es an
Schlechte Noten kommen häufig nicht deshalb zu Stande, weil der Schüler den momentanen Stoff nicht kapiert, sondern weil er grundsätzlich Defizite in seiner Lernstrategie aufweist.
Zum Lernen werden alle Sinnesorgane verwendet: das Gehör, die Augen, die Sprache und die Motorik. Zur Speicherung des Gelernten benutzt jeder Mensch die Sinnesorgane in einem anderen Verhältnis. Während der eine eher Formeln, Regeln und Eselsbrücken benutzt, versteht und kapiert der andere bestimmte Sachverhalte besser im Gespräch, beim Aufschreiben oder Aufmalen des Lernstoffes.
Der Tutor sollte die Lernstrategie des Schülers erkennen, sollte auf dessen spezifischen Vorlieben aufbauen, und diese mit Erklärungen, die andere Sinnesorgane reizen, ergänzen. Je mehr Sinneskanäle benötigt werden, desto leichter ist ein fächerübergreifendes, ganzheitliches Lernen. Ebenso muss er vermitteln, dass Lernen, Arbeiten und Aufgaben lösen in kleinen Schritten stattfindet.
Erst wenn der Schüler das verstanden und akzeptiert hat, kann er seine Verständnisprobleme Schritt für Schritt lösen und sich von einer Note zur anderen hocharbeiten.
Stimmt das Eltern-Kind-Verhältnis?
Wichtig bei der Nachhilfe ist, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Tutor und Schüler stimmt. In einer Nachhilfestunde muss das Gefühl eines Miteinanders entstehen. Hier muss sich jedes Elternteil selbst kontrollieren: Wenn ich meinem Kind Nachhilfe gebe, steigt dann das Verständnis und das Selbstbewusstsein meines Kindes oder steigt der Druck für das Kind? Verschärft sich die Familienatmosphäre oder löst sie sich? Kenne ich mich mit dem Lernstoff des Kindes wirklich noch aus, oder muss ich mir die Regeln selbst zusammenreimen? Nichts ist schwieriger für ein Kind, als nach zwei verschiedenen Logiken zu arbeiten – abwechselnd nach der des Schullehrers und der der Eltern.
weiter zu Seite 2